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12.04.2022 /  EL COMPOSITOR HABLA - Online Plattform für Neue Musik / Spanien
CD residual_risk / NEOS 12205 / Rezension


von Ismael G. Cabral (gekürzt)

In Hoyers Klangkatalog findet sich ein bewusst reduziertes Material, was schon beim Hören des ersten der Stücke, das dem Album seinen Titel gibt, auffällt
(...)

Was aber definitiv überrascht und Hoyers Musik auszeichnet, ist seine Fähigkeit, diese Klänge zusammenzufügen, sie zu formen und eine Grammatik zu entwickeln, die uns dazu bringt, von einem Werk zum nächsten zu springen, ohne einen Hauch von Erschöpfung (...)

Die hier versammelten Werke haben viel mehr mit der sogenannten amerikanischen Computermusik (im Gefolge eines Morton Subotnick) zu tun als mit der mitteleuropäischen elektroakustischen Musik. Oder anders gesagt: Hoyer verbirgt die Herkunft des Materials nicht, er interessiert sich nicht für Soundscapes oder für die Vermischung von Quellen, seine Arbeit ist reine Tonbandmusik des 21. Jahrhunderts. Bestes Beispiel ist residual_risk (2011/13), dessen Hauptzutaten weißes Rauschen und frequenzvariable Pulse sind, die von einem analogen Synthesizer erzeugt werden. Trotz der reduzierten Palette ist das Stück nach einer Logik aufgebaut, die eine Musikalität ausstrahlt, die in diesem experimentellen Bereich ungewöhnlich ist. Es handelt sich um 'klangliche Abfälle', die Hoyer hervorhebt und im Raum (hier notwendigerweise in Stereo) mit einer kompositorischen Intelligenz, die wirklich beeindruckend ist. Restgeräusche, die sich am Ende beruhigen, um uns mit der Heiterkeit einer vollbesetzten Cafeteria zu konfrontieren ('disturbing the disturbances').


2010 komponierte Hoyer 4worte09 aus der Anregung eines Nietzsche'schen Gedankens: 'Was ist ein Wort? Die Abbildung eines Nervenreizes in Lauten'. Daraus wählte er vier extravagante deutsche Wörter aus, um ein Werk zu generieren, in dem sich das Semantische und das Asemantische zu einem Konglomerat verschränken, das an die Text-Klang-Komposition schwedischer Herkunft (Ake Hodell, Lars Gunnar Bodin...) anknüpft.

In ZEITgezeichnet (2010/21) nähert sich Hoyer der Low-Fi-Elektronik, ohne seine Ästhetik den üblichen naiven Tönen anzugleichen, in denen sich die Autoren bewegen, die in Vintage-Schrott-Schaltungen versunken sind. Durch die Anwendung sehr grundlegender Funktionen (Kopieren, Einfügen, Umkehren, Überlagern...) artikuliert sich das Stück einmal mehr um weißes Rauschen. Und obwohl der Komponist zugibt, dass er sich für dessen aggressive und raue Qualitäten interessiert, scheint sein Werk aus einer Zähmung desselben zu bestehen, die nichts mit Lärm zu tun hat, wie die Titel der drei Teile, in die das Werk gegliedert ist, erahnen lassen: Acceleration, The displaced nightingale und La campanella (...)


Interessanter, aber auch unbeugsamer in seiner Aneignung von Klangkunst ist STRICHCODE (kann Spuren von Musik enthalten) aus dem Jahr 2015, die Kreation, die sich am meisten gegen ein angenehmes Anhören sträubt. Ausgehend von der Aufnahme von vier Instrumenten (Flöte, Cello, Mundharmonika und Spielzeugklavier) wird uns ein sensorisches Spiel vorgelegt, bei dem sich die Klangpartikel in einer Kaskade zersetzen, die das Lesen eines Strichcodes durch ein optisches Lesegerät imitiert. Mit (...) diesem attraktiven Strauß elektronischer Kreationen ist zu hoffen, dass NEOS bald mehr Material von Ralf Hoyer veröffentlichen wird.



Der komplette Text in Spanisch:
https://www.elcompositorhabla.com/es/noticias.zhtm?corp=elcompositorhabla&arg_id=3058

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